
Nachts hörst du das Kratzen, tagsüber leckt dein Hund an den Pfoten, und beim Tierarztbesuch heißt es wieder: Ohrentzündung. Oder deine Katze putzt sich an manchen Stellen fast kahl. Da liegt die Frage nahe, ob das Futter schuld ist – manchmal ja, oft aber auch nicht.
Die Haut zeigt vieles an – aber nicht immer dasselbe
Die Haut ist das größte Organ deines Tieres. Sie schützt vor Keimen, Austrocknung und Umweltreizen, und sie reagiert auf vieles, was im Körper und um ihn herum passiert. Juckreiz, Rötungen, Schuppen, stumpfes Fell oder wiederkehrende Ohrentzündungen sind deshalb eher ein Signal als eine Diagnose.
Aus meinen Jahren in der Tierarztpraxis kenne ich gut, wie zermürbend das für Halter ist. Man probiert ein Shampoo, dann ein neues Futter, dann wieder ein anderes – und das Kratzen bleibt. Häufig liegt das daran, dass die eigentliche Ursache noch gar nicht gefunden wurde. Bevor du über das Futter nachdenkst, lohnt sich daher ein Blick auf das ganze Bild.
Häufige Ursachen für Juckreiz und Hautprobleme
Hinter Juckreiz stecken bei Hund und Katze meist eine oder mehrere dieser Ursachen. Oft wirken mehrere zusammen, was die Sache nicht einfacher macht.
- Parasiten: Flöhe, Milben oder Haarlinge gehören zu den häufigsten Auslösern. Schon wenige Flöhe können bei einem empfindlichen Tier starken Juckreiz auslösen – und du siehst sie oft gar nicht.
- Umweltallergie: Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelsporen können eine allergische Hauterkrankung auslösen. Sie ist bei Hunden eine der häufigsten Ursachen für chronischen Juckreiz.
- Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit: Das Immunsystem reagiert auf bestimmte Bestandteile, meist Eiweiße. Sie kommt vor, ist aber seltener, als viele vermuten.
- Infektionen: Bakterien und Hefepilze siedeln sich gern auf bereits gereizter Haut und in entzündeten Ohren an. Sie sind oft die Folge eines anderen Problems und halten den Juckreiz am Laufen.
- Weitere Ursachen: Hormonelle Störungen, Kontaktreizungen, Stress oder – seltener – ein echter Nährstoffmangel.
Wichtig zu wissen: Allergien lassen sich nicht einfach abschalten, und eine Ohrentzündung ist meist nicht das Grundproblem, sondern die Folge. Wer nur die Ohren behandelt, ohne nach dem Auslöser zu suchen, erlebt häufig, dass es nach einigen Wochen wieder losgeht.
Warum gerade die Ohren so oft betroffen sind
Der Gehörgang ist mit Haut ausgekleidet – er reagiert also genauso wie die übrige Haut. Bei einer Allergie schwillt die Haut im Gehörgang an, es bildet sich mehr Ohrenschmalz, und das feucht-warme Klima ist ideal für Hefepilze und Bakterien. Deshalb sind wiederkehrende Ohrentzündungen bei Hunden oft ein Hinweis auf eine allergische Grunderkrankung.
Typische Anzeichen sind häufiges Kopfschütteln, Kratzen an den Ohren, Reiben des Kopfes am Boden, ein unangenehmer Geruch und dunkles oder schmieriges Sekret. Bei Katzen stecken hinter Ohrproblemen häufiger Ohrmilben, besonders bei jungen Tieren oder bei Freigängern.
Wann Futter eine Rolle spielen kann
Eine Futtermittelallergie entsteht, wenn das Immunsystem einen Futterbestandteil fälschlich als Gefahr einstuft. Fast immer sind es Eiweiße, und zwar häufig solche, die dein Tier schon lange und regelmäßig bekommt. Bei Hunden werden zum Beispiel Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen oft genannt. Das liegt vor allem daran, dass diese Zutaten in vielen Futtern stecken – nicht daran, dass sie an sich schlecht wären.
Daraus folgt auch: Getreide ist nicht grundsätzlich das Problem. Ein Tier kann auf Fleisch genauso reagieren wie auf Getreide. Ein getreidefreies Futter ist deshalb nicht automatisch besser verträglich.
Hinweise, die an das Futter denken lassen
- Der Juckreiz besteht das ganze Jahr über, nicht nur in bestimmten Jahreszeiten.
- Betroffen sind oft Pfoten, Ohren, Gesicht, Achseln, Bauch oder der Bereich um den After.
- Gleichzeitig treten Verdauungsbeschwerden auf, zum Beispiel weicher Kot, häufiger Kotabsatz oder Blähungen.
- Bei Katzen: Juckreiz und Kratzwunden vor allem an Kopf und Hals oder ein auffälliges Kahlputzen.
Keiner dieser Punkte beweist eine Futtermittelallergie. Sie können aber ein Anlass sein, das Futter bei der Abklärung mitzudenken. Den Unterschied zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit erkläre ich ausführlicher im Beitrag Allergie oder Unverträglichkeit?
So wird eine Futtermittelallergie abgeklärt
Blut-, Haar- oder Speicheltests zur Futtermittelallergie gelten in der Tiermedizin als nicht zuverlässig. Der anerkannte Weg ist eine sogenannte Ausschlussdiät, auch Eliminationsdiät genannt. Sie sollte immer mit der Tierarztpraxis geplant werden, denn vorher müssen andere Ursachen wie Parasiten und Infektionen ausgeschlossen oder behandelt sein.
- Futterwahl: Dein Tier bekommt ein Futter mit einer Eiweißquelle und meist auch einer Kohlenhydratquelle, die es bisher nie gefressen hat. Alternativ kommt ein Futter mit stark aufgespaltenem Eiweiß infrage, das das Immunsystem kaum noch erkennt.
- Konsequenz: Über die gesamte Dauer gibt es ausschließlich dieses Futter. Keine Leckerlis, keine Kauartikel, keine Essensreste, keine aromatisierten Zahnpflegeprodukte. Auch geschmackvolle Tabletten sollten vorher mit der Praxis besprochen werden.
- Geduld: Die Haut braucht Zeit, um sich zu erneuern. Üblich ist eine Dauer von etwa acht Wochen, in manchen Fällen auch länger.
- Gegenprobe: Bessert sich der Juckreiz deutlich, wird das alte Futter wieder angeboten. Kehrt der Juckreiz zurück, ist eine Futtermittelallergie wahrscheinlich. Danach kann man einzelne Zutaten gezielt testen.
Ein häufiger Fehler ist, alle paar Wochen ein anderes Futter auszuprobieren. Dabei bekommt dein Tier oft immer wieder ähnliche Zutaten, nur in anderer Verpackung, und am Ende weiß niemand mehr, was vertragen wird. Lies deshalb die Zutatenliste genau – wie das geht, zeigt der Beitrag Futterdeklaration verstehen.
Auch der Wechsel auf das Testfutter sollte behutsam erfolgen, damit nicht zusätzlich der Darm rebelliert. Wie du dabei vorgehst, findest du unter Futterumstellung.
Was das Futter für eine gesunde Haut leisten muss
Auch ohne Allergie hat die Ernährung Einfluss auf Haut und Fell. Die Haut erneuert sich ständig und braucht dafür ausreichend hochwertiges Eiweiß, essenzielle Fettsäuren, Zink, Vitamine wie Vitamin A und E sowie verschiedene B-Vitamine. Ein echter Mangel ist bei einem gut zusammengesetzten Alleinfuttermittel selten. Häufiger sehe ich in der Ernährungsberatung Probleme bei selbst zusammengestellten Rationen ohne Berechnung oder bei Tieren, die überwiegend Leckerlis und Reste bekommen.
Fettsäuren: oft genannt, oft missverstanden
Omega-6-Fettsäuren wie die Linolsäure sind für die Schutzschicht der Haut wichtig. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch- oder Algenöl können entzündliche Vorgänge beeinflussen und werden bei Hautproblemen häufig begleitend eingesetzt. Sie ersetzen aber keine Behandlung, und ihre Wirkung zeigt sich, wenn überhaupt, erst nach Wochen. Ob und in welcher Menge eine Ergänzung sinnvoll ist, besprichst du am besten mit der Tierarztpraxis – denn auch zu viel Fett oder ein unausgewogenes Verhältnis kann Nachteile haben.
Ein stumpfes Fell ist kein Notfall, aber ein Hinweis
Wird das Fell stumpf, schuppig oder dünner, kann das mit dem Futter zusammenhängen, etwa wenn der Bedarf nicht gedeckt ist. Es kann aber genauso auf eine Schilddrüsenerkrankung, Parasiten oder andere Erkrankungen hinweisen. Wie ein Futter den Bedarf deckt, erklärt der Beitrag Bedarfsdeckend füttern.
Was du im Alltag beobachten und tun kannst
Bis zur Abklärung kannst du einiges beitragen, das der Tierarztpraxis die Arbeit erleichtert. Gute Beobachtungen sind oft wertvoller als jeder schnelle Futterwechsel.
- Tagebuch führen: Notiere, wann und wo dein Tier sich kratzt, was es gefressen hat und ob es Veränderungen bei Kot oder Verhalten gibt. Auch die Jahreszeit ist ein wichtiger Hinweis.
- Parasitenschutz prüfen: Frag in der Praxis nach, ob der Schutz ausreicht, und denke daran, dass alle Tiere im Haushalt einbezogen werden sollten.
- Futter nicht ständig wechseln: Bleib bei einem Futter, bis ein Plan steht. Notiere, welche Futter und Zutaten dein Tier schon bekommen hat.
- Kratzen begrenzen: Kurz geschnittene Krallen und gegebenenfalls ein Body oder Kragen können verhindern, dass aus Juckreiz offene Wunden werden.
- Keine Experimente auf der Haut: Öle, Essig oder ätherische Mittel können gereizte Haut zusätzlich belasten, und manche ätherischen Öle sind für Katzen giftig.
Sei ehrlich mit dir: Eine Ernährungsberatung kann helfen, das Futter sinnvoll auszuwählen und eine Ausschlussdiät sauber umzusetzen. Sie ersetzt aber keine Untersuchung der Haut und der Ohren.
Kurz gesagt
Juckreiz, Hautprobleme und Ohrentzündungen haben viele mögliche Ursachen, und das Futter ist nur eine davon. Zuerst sollten Parasiten, Infektionen und andere Erkrankungen abgeklärt werden. Besteht der Verdacht auf eine Futtermittelallergie, bringt nur eine konsequente Ausschlussdiät Klarheit – und die gelingt am besten gemeinsam mit der Tierarztpraxis.
Häufige Fragen
Kann ein Futterwechsel den Juckreiz sofort bessern?
In der Regel nicht. Die Haut braucht Wochen, um sich zu erneuern, deshalb zeigt sich eine Veränderung frühestens nach einigen Wochen. Bessert sich der Juckreiz innerhalb weniger Tage, steckt meist etwas anderes dahinter, etwa eine gleichzeitige Parasitenbehandlung.
Ist getreidefreies Futter besser für die Haut?
Nicht automatisch. Futtermittelallergien richten sich meist gegen Eiweiße, und das können tierische genauso wie pflanzliche sein. Entscheidend ist, auf welche Zutat dein Tier reagiert – das zeigt nur eine sauber durchgeführte Ausschlussdiät.
Kann mein Tier auf ein Futter reagieren, das es seit Jahren verträgt?
Ja, das ist sogar typisch. Eine Allergie entwickelt sich oft gegen Bestandteile, die das Tier schon lange bekommt. Dass ein Futter früher gut vertragen wurde, schließt eine Allergie also nicht aus.
Wie zuverlässig sind Allergietests aus Blut oder Haaren?
Für Futtermittelallergien gelten sie als nicht zuverlässig, weil sie häufig falsche Ergebnisse liefern. Der anerkannte Weg ist die Ausschlussdiät mit anschließender Gegenprobe. Für Umweltallergien gibt es andere Tests, die die Tierarztpraxis gezielt einsetzen kann.
Darf ich während der Ausschlussdiät Leckerlis geben?
Nur solche, die aus genau denselben Zutaten bestehen wie das Testfutter. Viele nehmen dafür einfach einige Stücke des Testfutters selbst. Schon kleine Mengen anderer Zutaten können das Ergebnis verfälschen.
Geschrieben von Steffi
Mobile Haustierbetreuerin und Ernährungsberaterin, davor 21 Jahre Tiermedizinische Fachangestellte. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Mehr über mich