
Du stellst den Napf hin, deine Katze schnuppert, leckt die Soße ab und geht. Der Rest trocknet ein, und am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorn. Viele Halter kennen das – und probieren eine Sorte nach der anderen. Hier erfährst du, warum Katzen so wählerisch sein können, was dahinterstecken kann und wie du eine Umstellung ohne Machtkampf begleitest.
Warum Katzen so wählerisch sind
Katzen sind reine Fleischfresser, und ihr Fressverhalten unterscheidet sich deutlich von dem eines Hundes. In der Natur fressen sie viele kleine Beutetiere über den Tag verteilt. Ihr Geruchssinn spielt dabei eine viel größere Rolle als der Geschmack, denn Katzen können zum Beispiel Süßes gar nicht wahrnehmen. Ob ein Futter angenommen wird, entscheidet sich deshalb oft schon an der Nase.
Hinzu kommt, dass Katzen von Natur aus vorsichtig gegenüber Unbekanntem sind. Ein neues Futter riecht anders, fühlt sich anders an und wird deshalb erst einmal kritisch geprüft. Das ist kein Trotz, sondern ein sinnvolles Schutzverhalten.
Prägung in der Kittenzeit
Was eine Katze als Futter akzeptiert, wird zu einem großen Teil in den ersten Lebensmonaten geprägt. Kitten, die verschiedene Sorten und Konsistenzen kennenlernen, sind später oft offener. Eine Katze, die jahrelang nur eine Sorte Trockenfutter bekommen hat, tut sich dagegen mit Nassfutter häufig schwer – und umgekehrt.
Soßenschlecker: Was dahinterstecken kann
Soße und Gelee riechen intensiv und haben eine Konsistenz, die viele Katzen besonders mögen. Dass eine Katze zuerst die Soße schleckt, ist also verständlich. Lässt sie die Stückchen aber regelmäßig liegen, lohnt sich ein genauerer Blick. Mögliche Gründe sind:
- Vorliebe für die Konsistenz: Manche Katzen mögen eher feine Pastete, andere kleine Stückchen. Zu große, feste Stücke werden gern verschmäht.
- Gewohnheit: Wer immer wieder ein neues Futter bekommt, sobald etwas liegen bleibt, lernt schnell, dass sich Warten lohnt.
- Zahnprobleme: Entzündetes Zahnfleisch, abgebrochene Zähne oder Zahnresorptionen, eine bei Katzen häufige Zahnerkrankung, können das Kauen schmerzhaft machen. Die Katze leckt dann lieber nur Weiches ab.
- Übelkeit oder andere Erkrankungen: Eine Katze, der übel ist, zeigt Interesse am Futter, frisst aber nur wenig davon.
Aus meinen Jahren in der Tierarztpraxis weiß ich, wie oft gerade Zahnschmerzen übersehen werden. Katzen zeigen Schmerzen kaum, sie fressen einfach anders. Wenn deine Katze früher gut gefressen hat und jetzt nur noch Soße schleckt, mit dem Kopf schief kaut, Futter fallen lässt oder sabbert, lass bitte zuerst das Maul untersuchen.
Napf, Ort und Temperatur: die oft übersehenen Faktoren
Nicht immer liegt es am Futter selbst. Katzen sind empfindlich gegenüber ihrer Umgebung, und kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen.
- Temperatur: Futter direkt aus dem Kühlschrank riecht kaum und wird oft verschmäht. Lauwarm, etwa auf Raum- bis Körpertemperatur gebracht, duftet es stärker. Erwärme es nicht zu heiß und rühre gut um, wenn du die Mikrowelle nutzt.
- Frische: Viele Katzen mögen kein Futter, das schon länger offen steht oder angetrocknet ist. Kleine Portionen, die zügig gefressen werden, sind besser als ein voller Napf.
- Napfform: Viele Katzen fressen lieber aus flachen, breiten Schalen, bei denen die Schnurrhaare nicht an den Rand stoßen. Auch der Geruch von Kunststoff oder Spülmittel kann stören.
- Standort: Der Futterplatz sollte ruhig liegen, nicht neben der Katzentoilette und nicht direkt am Wassernapf. In Mehrkatzenhaushalten braucht jede Katze ihren eigenen, ungestörten Platz.
- Stress: Umzug, neue Mitbewohner, Besuch oder Baulärm können den Appetit vorübergehend dämpfen.
Mehrkatzenhaushalt
Leben mehrere Katzen zusammen, ist nicht immer klar, wer was frisst. Eine selbstbewusste Katze räumt vielleicht zwei Näpfe leer, während eine zurückhaltende scheinbar mäkelig ist, in Wahrheit aber nur nicht in Ruhe fressen kann. Getrennte Futterplätze, eventuell in verschiedenen Räumen, schaffen hier oft schnell Klarheit. So siehst du auch genauer, wie viel jede einzelne Katze wirklich frisst.
Was mäkeliges Verhalten oft verstärkt
In der Ernährungsberatung erlebe ich oft, dass aus einer leicht wählerischen Katze mit der Zeit eine sehr mäkelige wird – meist mit den besten Absichten. Typisch sind diese Muster:
- Jedes Mal, wenn etwas liegen bleibt, wird sofort eine neue Sorte geöffnet.
- Mehrere Näpfe mit verschiedenen Sorten stehen gleichzeitig herum.
- Es gibt viele Leckerlis, Pasten oder Snacks zwischendurch, sodass zur Mahlzeit kein Hunger mehr da ist.
- Futter wird ständig aufgefüllt, statt in festen Mahlzeiten angeboten.
Die Katze lernt dabei: Wer liegen lässt, bekommt etwas Besseres. Hilfreicher ist eine ruhige, verlässliche Struktur mit festen Mahlzeiten, die du nach einer gewissen Zeit wieder abräumst. Wichtig ist dabei, dass die Katze trotzdem genug frisst – Hungern lassen ist bei Katzen keine Erziehungsmethode.
Eine Umstellung geduldig begleiten
Ob du von Trockenfutter auf Nassfutter wechseln möchtest, ein vollwertigeres Futter einführen willst oder die Tierarztpraxis ein Diätfutter empfohlen hat – bei Katzen brauchst du meist mehr Geduld als bei Hunden. Die üblichen 7–10 Tage reichen bei wählerischen Katzen oft nicht, manchmal dauert es mehrere Wochen.
So kannst du vorgehen
- Kennenlernen: Biete das neue Futter zunächst in einem eigenen kleinen Schälchen neben dem gewohnten an, ohne Druck. Die Katze darf schnuppern und probieren.
- Kleine Mengen untermischen: Mische eine sehr kleine Menge des neuen Futters unter das gewohnte. Wird das angenommen, erhöhst du den Anteil langsam über Tage bis Wochen.
- Konsistenz angleichen: Hilft es, das neue Futter etwas zu zerdrücken oder mit lauwarmem Wasser cremiger zu machen? Bei Soßenschleckern kann ein feineres Futter den Übergang erleichtern.
- Bei Trockenfutterfans: Manchmal hilft es, ein paar gewohnte Kroketten oben auf das Nassfutter zu legen oder Trockenfutter anfangs leicht anzufeuchten.
- Bei Rückschritten: Geh einen Schritt zurück, statt aufzugeben. Wird das Futter gar nicht mehr angenommen, ist eine andere Sorte mit ähnlicher Konsistenz einen Versuch wert.
Achte während der gesamten Umstellung darauf, dass deine Katze ausreichend frisst. Notiere dir am besten, wie viel sie täglich zu sich nimmt, und wiege sie regelmäßig, wenn du kannst. Ausführlicher beschrieben ist der Ablauf im Beitrag Futterumstellung.
Worauf es beim Futter ankommt
Am Ende sollte das Futter nicht nur schmecken, sondern den Bedarf deiner Katze vollständig decken. Ein Futter, das die Katze liebt, aber nur als Ergänzungsfutter deklariert ist, reicht als alleinige Nahrung nicht aus. Achte auf die Bezeichnung Alleinfuttermittel – was das bedeutet, erklärt der Beitrag Bedarfsdeckend füttern.
Für viele Katzen ist Nassfutter eine gute Grundlage, weil es mit etwa 75–80 % Wasser einen großen Teil des Flüssigkeitsbedarfs mitbringt. Katzen trinken von Natur aus wenig, und gerade mäkelige Trockenfutterfans nehmen oft nicht viel Wasser auf. Mehr dazu liest du unter Trinken bei Katzen und im Vergleich Nassfutter und Trockenfutter.
Abwechslung zwischen einigen gut verträglichen Sorten kann sinnvoll sein, damit sich deine Katze nicht auf eine einzige festlegt. Das heißt aber nicht, täglich eine neue Packung zu öffnen. Zwei oder drei bewährte Sorten im Wechsel sind für viele Katzen ein guter Mittelweg.
Alte Katzen
Mit dem Alter lassen Geruchssinn und manchmal auch die Zahngesundheit nach. Ältere Katzen fressen deshalb oft weniger oder werden wählerischer. Hier lohnt sich besonders, das Futter leicht anzuwärmen, kleine Portionen anzubieten und Gewichtsveränderungen früh mit der Tierarztpraxis zu besprechen.
Kurz gesagt
Viele Katzen sind von Natur aus wählerisch, und Gewohnheiten aus der Kittenzeit wirken lange nach. Plötzliche Mäkelei oder Soßenschlecken kann aber auch auf Zahnschmerzen oder andere Erkrankungen hinweisen und sollte zuerst untersucht werden. Mit Geduld, festen Mahlzeiten, angewärmtem Futter und einer langsamen Umstellung gelingt der Wechsel meist – nur hungern lassen solltest du deine Katze nie.
Häufige Fragen
Ist es schlimm, wenn meine Katze nur die Soße frisst?
Kurzfristig nicht, aber auf Dauer bekommt sie so zu wenig Energie und Nährstoffe. Lass zuerst Zähne und Maul untersuchen, besonders wenn das Verhalten neu ist. Ist alles in Ordnung, kann ein feineres Futter oder eine Pastete eine Lösung sein.
Wie lange darf ich warten, wenn meine Katze ein neues Futter nicht frisst?
Nicht lange. Frisst deine Katze das neue Futter nicht, biete das gewohnte wieder an und gehe langsamer vor. Mehr als 24 Stunden ohne Futter sind für Katzen gefährlich.
Soll ich das Futter für meine Katze anwärmen?
Viele Katzen fressen lauwarmes Futter lieber, weil es stärker riecht. Gemeint ist etwa Raum- bis Körpertemperatur, nicht heiß. Rühre angewärmtes Futter gut um, damit keine heißen Stellen bleiben.
Ist Abwechslung gut oder schlecht für eine mäkelige Katze?
Ein Wechsel zwischen einigen bewährten Sorten kann helfen, dass sich die Katze nicht auf eine einzige festlegt. Ständig neue Sorten, sobald etwas liegen bleibt, verstärken die Mäkelei aber eher. Ein ruhiger Mittelweg funktioniert meist am besten.
Kann Trockenfutter allein meine Katze wählerisch machen?
Eine Katze, die lange nur eine Sorte Trockenfutter kennt, nimmt andere Futter oft schwer an. Das liegt an der Gewöhnung an Geruch und Konsistenz. Mit Geduld lässt sich das meist ändern, wenn du die Umstellung langsam begleitest.
Geschrieben von Steffi
Mobile Haustierbetreuerin und Ernährungsberaterin, davor 21 Jahre Tiermedizinische Fachangestellte. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Mehr über mich