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Hund & Katze · Verhalten

Grasfressen, Schmatzen und Pfotenlecken

Was diese Verhaltensweisen bedeuten können

Von SteffiMobile Haustierbetreuerin & Ernährungsberaterin7 Minuten Lesezeit
Ein kleiner Terrier frisst auf einer Wiese an Grashalmen.

Dein Hund rupft auf dem Spaziergang hastig Gras, nachts hörst du ihn schmatzen und schlucken, oder er beschäftigt sich auffällig lange mit seinen Pfoten. Vielleicht kennst du Ähnliches auch von deiner Katze. Solche Verhaltensweisen sind oft harmlos – manchmal sind sie aber die leise Art deines Tieres, dir zu zeigen, dass etwas nicht stimmt.

Erst einmal: Auf das Wie kommt es an

Grasfressen, Schmatzen und Pfotenlecken haben eines gemeinsam: Jedes dieser Verhaltensweisen kann völlig normal sein. Fast jeder Hund frisst ab und zu Gras, jedes Tier leckt sich mal die Pfoten, und auch ein Schmatzen nach dem Trinken ist nichts Besonderes. Entscheidend ist nicht, ob dein Tier es tut, sondern wie, wie oft und in welchem Zusammenhang.

Hilfreiche Fragen sind zum Beispiel: Wirkt dein Tier dabei entspannt oder getrieben? Ist das Verhalten neu oder schon immer da? Ist es mehr geworden? Und gibt es andere Veränderungen, etwa beim Kot, beim Appetit, an der Haut oder im Verhalten? Mit diesem Blick lassen sich die drei Verhaltensweisen viel besser einordnen.

Grasfressen: meistens normal, manchmal ein Hinweis

Warum Hunde Gras fressen

Grasfressen ist bei Hunden weit verbreitet und gilt bei gesunden Tieren als normales Verhalten. Warum genau sie es tun, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem ein ererbtes Verhalten aus der Zeit ihrer wild lebenden Vorfahren, Neugier, Langeweile oder schlicht Geschmack – junge, frische Halme scheinen vielen Hunden einfach zu schmecken.

Die verbreitete Annahme, Hunde fräßen Gras vor allem, um sich zu übergeben, lässt sich so pauschal nicht halten. Viele Hunde fressen Gras, ohne danach zu erbrechen, und wirken dabei völlig gesund.

Wann Grasfressen auffällig ist

Anders sieht es aus, wenn dein Hund das Gras hastig und fast schon zwanghaft herunterschlingt, dabei unruhig wirkt, viel schmatzt oder schluckt und sich danach erbricht. Dieses Muster kann auf Übelkeit oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt hindeuten. Gleiches gilt, wenn das Grasfressen plötzlich deutlich zunimmt oder zusammen mit Durchfall, Erbrechen oder Appetitlosigkeit auftritt.

Fällt dir so etwas regelmäßig auf, lohnt es sich, den Magen-Darm-Trakt einmal ansehen zu lassen. Mehr zu möglichen Ursachen findest du im Artikel über Erbrechen und Nüchternerbrechen.

Und Katzen?

Auch viele Katzen knabbern gern an Gras. Bei Katzen wird oft vermutet, dass das Gras hilft, verschluckte Haare wieder herauszubefördern, gesichert ist das aber nicht. Wohnungskatzen bietest du am besten Katzengras an, damit sie nicht auf Zimmerpflanzen ausweichen. Viele Pflanzen sind für Katzen giftig – Lilien zum Beispiel sind schon in kleinen Mengen hochgefährlich und können die Nieren schwer schädigen.

Worauf du draußen achten solltest

  • Gras an Feldrändern oder in Parks kann mit Dünger oder Pflanzenschutzmitteln behandelt sein.
  • Grannen, also die spitzen Samenstände mancher Gräser, können sich in Maul, Nase, Ohren oder zwischen den Zehen festsetzen.
  • Scharfkantige Gräser können Maul und Rachen reizen.

Schmatzen, Leerschlucken und Lippenlecken

Ein Schmatzen nach dem Fressen oder Trinken ist ganz normal. Aufmerksam solltest du werden, wenn dein Tier immer wieder ohne erkennbaren Anlass schmatzt, leer schluckt, sich über die Lippen leckt oder Speichel zieht – vor allem, wenn das nachts oder früh am Morgen passiert.

Mögliche Gründe dafür können sein:

  • Übelkeit: Vermehrter Speichelfluss, Schmatzen und Schlucken sind typische Vorboten von Erbrechen.
  • Beschwerden in Magen oder Speiseröhre: Etwa durch zurückfließenden Mageninhalt, was oft als Sodbrennen bezeichnet wird.
  • Probleme im Maul: Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündungen oder ein festsitzender Fremdkörper, zum Beispiel ein Holzsplitter zwischen den Zähnen.
  • Stress und Unsicherheit: Bei Hunden kann kurzes Lippenlecken auch ein Signal in der Kommunikation sein, etwa in angespannten Situationen.

Manche Hunde zeigen in solchen Phasen auch ein auffälliges Belecken von Böden, Teppichen, Wänden oder Möbeln. Fachleute bringen dieses Verhalten häufig mit Beschwerden im Magen-Darm-Trakt in Verbindung. Ausführlicher geht es darum im Artikel Sodbrennen und häufiges Schmatzen.

Aus meinen Jahren in der Tierarztpraxis kenne ich es gut, dass nächtliches Schmatzen lange als Marotte abgetan wird. Dabei lohnt es sich gerade hier, genauer hinzuschauen – denn ein Tier, dem übel ist, kann es dir nicht anders mitteilen.

Pfotenlecken: Pflege, Juckreiz oder Schmerz?

Dass Hunde und Katzen ihre Pfoten putzen, gehört zur normalen Körperpflege. Ungewöhnlich wird es, wenn dein Tier ausdauernd, immer wieder oder sogar mit Knabbern an den Pfoten beschäftigt ist. Bei Hunden mit hellem Fell erkennst du intensives Lecken oft an einer rötlich-braunen Verfärbung zwischen den Zehen, die durch Speichel entsteht.

Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

  • Juckreiz durch Allergien: Sowohl Umweltallergien, etwa gegen Pollen oder Hausstaubmilben, als auch Futtermittelallergien können sich durch Juckreiz an den Pfoten zeigen. Häufig sind dann auch Ohren, Gesicht, Achseln oder Bauch betroffen.
  • Parasiten: Milben oder Flöhe können Juckreiz auslösen.
  • Infektionen: Entzündungen der Haut durch Bakterien oder Hefepilze entstehen oft als Folge des ständigen Leckens und halten den Kreislauf in Gang.
  • Verletzungen und Fremdkörper: Kleine Schnitte, eingerissene Krallen oder Grannen zwischen den Zehen.
  • Schmerzen: Manche Tiere lecken an Stellen, die ihnen wehtun, etwa bei Gelenkbeschwerden.
  • Langeweile oder Stress: Lecken kann beruhigen und sich zur Gewohnheit entwickeln.

Bei Katzen: übermäßiges Putzen

Bei Katzen zeigt sich ein ähnliches Problem oft als übermäßiges Putzen. Typisch sind kahle oder kurz geleckte Stellen, häufig am Bauch, an den Innenseiten der Hinterbeine oder an den Flanken. Dahinter können Flöhe, Allergien, Stress oder auch Schmerzen stecken, zum Beispiel bei Beschwerden der Blase. Weil Katzen sich meist heimlich putzen, fallen die kahlen Stellen oft eher auf als das Verhalten selbst.

Welche Rolle das Futter spielen kann

Bei allen drei Verhaltensweisen kann das Futter eine Rolle spielen – es ist aber selten die einzige Erklärung. In der Ernährungsberatung schaue ich deshalb immer auf das ganze Bild und nicht auf ein einzelnes Symptom.

Beim Juckreiz an Pfoten und Haut kann eine Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit dahinterstecken. Sicher feststellen lässt sich das nur über eine Ausschlussdiät, die du gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis planst. Bluttests auf Futtermittelallergien gelten dafür als wenig aussagekräftig. Mehr dazu findest du in den Artikeln Allergie oder Unverträglichkeit und Hautprobleme, Juckreiz und Ohrenentzündungen.

Bei Schmatzen und auffälligem Grasfressen können Fütterungsrhythmus, Portionsgröße und die Verträglichkeit des Futters wichtig sein. Ein sehr lange leerer Magen, sehr große Mahlzeiten oder häufige Futterwechsel können einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt zusätzlich belasten. Hier kann eine Anpassung der Fütterung unterstützen – nachdem geklärt ist, dass keine Erkrankung dahintersteckt, die behandelt werden muss.

So kannst du dein Tier gut beobachten

Bevor du mit deinem Tier in die Praxis gehst, helfen ein paar Notizen enorm. Schreib dir auf, wann das Verhalten auftritt, wie lange es dauert und ob es zu bestimmten Zeiten häufiger ist, etwa nachts, nach dem Fressen oder nach dem Spaziergang. Ein kurzes Handyvideo zeigt oft mehr als jede Beschreibung.

Notiere auch, was sich in letzter Zeit verändert hat: neues Futter, neue Leckerlis, ein Umzug, eine andere Tagesroutine oder die Jahreszeit. Gerade bei Pfotenlecken, das im Frühjahr und Sommer zunimmt, kann das einen wichtigen Hinweis liefern.

Kurz gesagt

Grasfressen, Schmatzen und Pfotenlecken sind oft ganz normal. Auffällig werden sie, wenn sie hastig, häufig oder neu auftreten oder mit anderen Beschwerden zusammenkommen. Dann lohnt eine Abklärung in der Tierarztpraxis – und danach kann die passende Fütterung dein Tier im Alltag unterstützen.

Häufige Fragen

Soll ich meinem Hund das Grasfressen verbieten?

Gelegentliches, entspanntes Grasfressen bei einem gesunden Hund ist in der Regel kein Problem. Achte aber darauf, wo er frisst, denn behandelte Flächen und Grannen können schaden. Frisst er hastig und erbricht danach öfter, solltest du die Ursache abklären lassen.

Warum schmatzt mein Hund nachts?

Nächtliches Schmatzen und Schlucken kann auf Übelkeit oder Beschwerden im Magen oder in der Speiseröhre hindeuten. Auch Probleme im Maul kommen infrage. Tritt es regelmäßig auf, ist eine Untersuchung sinnvoll.

Kann Pfotenlecken vom Futter kommen?

Ja, eine Futtermittelallergie kann sich durch Juckreiz an den Pfoten zeigen. Umweltallergien, Parasiten, Infektionen oder Verletzungen sind aber ebenfalls häufige Ursachen. Ob das Futter beteiligt ist, lässt sich nur über eine Ausschlussdiät mit der Tierarztpraxis klären.

Brauchen Katzen Katzengras?

Notwendig ist es nicht, aber viele Katzen knabbern gern daran. Für Wohnungskatzen ist es eine gute Möglichkeit, damit sie nicht an Zimmerpflanzen gehen, die giftig sein können. Achte darauf, dass im Haushalt keine Lilien stehen.

Was bedeutet die rötliche Färbung an den Pfoten?

Bei hellem Fell entsteht durch häufiges Lecken oft eine rötlich-braune Verfärbung, die durch Bestandteile im Speichel verursacht wird. Sie ist ein Hinweis darauf, dass dein Tier viel leckt. Die Ursache für das Lecken solltest du abklären lassen.

Steffi mit ihrem Hund

Geschrieben von Steffi
Mobile Haustierbetreuerin und Ernährungsberaterin, davor 21 Jahre Tiermedizinische Fachangestellte. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Mehr über mich

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