
Ein Welpe oder Kitten ist eingezogen, und mit der Freude kommen viele Fragen: Welches Futter ist richtig? Wie viel darf es sein? Und muss man noch etwas zufüttern? Die Ernährung im Wachstum legt einen wichtigen Grundstein für das spätere Leben. Die gute Nachricht: Mit ein paar klaren Grundsätzen machst du schon sehr viel richtig.
Warum das Wachstum besondere Anforderungen stellt
In den ersten Lebensmonaten baut der Körper eines jungen Tieres Knochen, Muskeln, Organe und Immunsystem auf. Dafür braucht er im Verhältnis zu seinem Körpergewicht deutlich mehr Energie, Eiweiß und bestimmte Mineralstoffe als ein erwachsenes Tier. Gleichzeitig ist der junge Körper empfindlicher gegenüber Fehlern: Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss können sich auswirken.
Besonders wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis von Calcium und Phosphor, weil beide Mineralstoffe für den Knochenaufbau zusammenarbeiten. Ebenso wichtig sind hochwertiges Eiweiß, die richtigen Fettsäuren und eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen. Ein für das Wachstum geeignetes Alleinfuttermittel ist genau darauf ausgelegt.
Das richtige Futter wählen
Für junge Tiere gibt es Futter, das ausdrücklich für das Wachstum gedacht ist. Achte auf der Verpackung darauf, dass es sich um ein Alleinfuttermittel handelt und dass es für Welpen, Kitten oder „alle Lebensphasen“ geeignet ist. Was die Angaben auf dem Etikett bedeuten, liest du im Beitrag zur Futterdeklaration.
Ob du Nassfutter, Trockenfutter oder beides fütterst, ist vor allem eine Frage der Verträglichkeit und deines Alltags. Wichtig ist, dass das Futter vollständig und für das Wachstum ausgelegt ist. Was ein vollwertiges Futter leisten muss, erklärt der Beitrag zum bedarfsdeckenden Füttern.
Selbst zubereitete Rationen
Selbst gekochte oder rohe Rationen sind im Wachstum besonders anspruchsvoll. Schon kleine Abweichungen bei Calcium, Phosphor oder Vitaminen können bei einem wachsenden Tier Folgen haben. Wenn du selbst zubereiten möchtest, lass die Ration unbedingt von einer fachkundigen Stelle berechnen und regelmäßig an das Wachstum anpassen.
Besonderheiten beim Welpen
Bei Hunden unterscheidet sich das Wachstum stark je nach späterer Größe. Kleine Rassen sind früher ausgewachsen, große und sehr große Rassen wachsen deutlich länger.
Große Rassen: lieber langsam wachsen
Bei Welpen großer und sehr großer Rassen gilt nach heutigem Wissensstand: Ein kontrolliertes, eher langsames Wachstum ist besser als ein schnelles. Werden diese Welpen zu energiereich gefüttert oder mit Mineralstoffen überversorgt, wachsen sie zu schnell. Das wird mit Fehlentwicklungen am Skelett und an den Gelenken in Verbindung gebracht.
Ziel ist deshalb nicht, dass der Welpe möglichst schnell groß und kräftig wird. Er soll schlank und gleichmäßig wachsen. Die spätere Endgröße wird dadurch nicht kleiner – sie wird nur langsamer erreicht. Für große Rassen gibt es spezielles Welpenfutter, das darauf abgestimmt ist.
Ein rundlicher Welpe ist nicht automatisch gesund
Ein kugelrunder Welpe sieht niedlich aus, sollte aber nicht das Ziel sein. Auch bei jungen Hunden solltest du die Rippen leicht fühlen können. Überschüssiges Gewicht belastet die noch weichen Knochen und Gelenke.
Besonderheiten beim Kitten
Katzen haben als reine Fleischfresser einige Eigenheiten. Sie brauchen zum Beispiel die Aminosäure Taurin über das Futter, weil sie davon selbst nicht genug bilden können. Ein vollständiges Katzenfutter enthält Taurin in ausreichender Menge – Hundefutter dagegen ist für Katzen nicht geeignet.
Kitten fressen gern viele kleine Portionen über den Tag verteilt. Ihr Magen ist klein, ihr Energiebedarf hoch. Viele Halterinnen und Halter bieten deshalb mehrmals täglich frisches Futter an. Mit zunehmendem Alter kannst du die Zahl der Mahlzeiten nach und nach reduzieren.
Nach der Kastration ändert sich bei vielen Katzen der Energiebedarf. Dann lohnt es sich, die Futtermenge und gegebenenfalls das Futter anzupassen, damit sich kein Übergewicht entwickelt. Sprich das am besten bei der Kastration mit der Praxis ab.
Menge und Mahlzeiten
Die Fütterungsempfehlungen auf der Packung sind ein guter Ausgangspunkt. Sie sind aber nur eine Orientierung, denn jedes Tier wächst etwas anders. Warum das so ist, liest du im Beitrag zur richtigen Futtermenge.
- Regelmäßig wiegen: Wiege dein junges Tier in festen Abständen und notiere das Gewicht. So siehst du, ob es gleichmäßig zunimmt.
- Körper fühlen: Neben der Waage zählt das Gefühl in der Hand. Rippen sollten fühlbar sein, ohne hervorzustehen.
- Mengen anpassen: Mit dem Wachstum verändert sich der Bedarf. Prüfe deshalb regelmäßig, ob die Menge noch passt.
- Mehrere Mahlzeiten: Junge Tiere vertragen mehrere kleine Mahlzeiten besser als eine große. Später kann die Zahl der Mahlzeiten verringert werden.
- Leckerlis mitrechnen: Belohnungen im Training sind wichtig, gehören aber zur Tagesration.
Aus meinen Jahren in der Tierarztpraxis kenne ich die Sorge vieler Halter, ihr Welpe könnte zu wenig bekommen. Häufiger ist im Wachstum aber das Gegenteil: ein bisschen zu viel, aus lauter Liebe.
Zusätze und Ergänzungsfuttermittel
Viele Halter möchten ihrem jungen Tier etwas Gutes tun und greifen zu Zusätzen. Bei einem vollständigen Wachstumsfutter ist das in aller Regel nicht nötig – und es kann sogar schaden.
Das gilt vor allem für Calcium. Gib Calcium bitte nie eigenmächtig zu einem vollständigen Futter dazu. Ein Überschuss kann das Skelettwachstum stören, gerade bei Welpen großer Rassen. Auch andere Mineralstoffpräparate oder Vitaminzusätze sollten nur nach Rücksprache mit der Tierarztpraxis oder auf Grundlage einer fachkundig berechneten Ration gegeben werden.
Kuhmilch ist kein geeigneter Zusatz. Viele junge Hunde und Katzen vertragen den Milchzucker nach dem Absetzen schlecht und reagieren mit Durchfall. Wenn ein sehr junges Tier noch Milch braucht, gibt es dafür spezielle Aufzuchtmilch – sprich das mit der Praxis ab.
Leckerlis, Kauartikel und Tischreste
Im Training mit jungen Tieren kommen schnell viele Belohnungen zusammen. Das ist für das Lernen wichtig, kann aber die Ernährung aus dem Gleichgewicht bringen. Je größer der Anteil an Leckerlis, desto weniger kann das ausgewogene Hauptfutter seine Aufgabe erfüllen. Eine einfache Lösung: Nimm einen Teil der Tagesration als Belohnung und gib besondere Leckerlis nur in sehr kleinen Stücken.
Welpen haben ein großes Kaubedürfnis, besonders während des Zahnwechsels. Geeignete Kauartikel können dabei helfen, sollten aber zur Größe passen und nicht zu hart sein, damit die jungen Zähne nicht beschädigt werden. Lass dein Tier beim Kauen nicht unbeaufsichtigt, damit es keine großen Stücke abschluckt. Gekochte Knochen sind tabu, weil sie splittern können.
Tischreste sind für junge Tiere keine gute Idee. Sie bringen das Nährstoffverhältnis durcheinander und gewöhnen dein Tier ans Betteln. Einige Lebensmittel sind für Hunde oder Katzen sogar giftig, etwa Schokolade, Weintrauben und Rosinen, Zwiebeln oder Knoblauch. Am sichersten ist es, wenn vom Esstisch grundsätzlich nichts in den Napf wandert.
Der Start im neuen Zuhause
Der Umzug ist für ein junges Tier aufregend. Neue Gerüche, neue Menschen, neue Geräusche – da reagiert der Magen-Darm-Trakt oft empfindlich. Deshalb ist es sinnvoll, zunächst das Futter weiterzugeben, das dein Tier beim Züchter oder im Tierheim bekommen hat.
Wenn sich dein neues Familienmitglied eingelebt hat und du auf ein anderes Futter wechseln möchtest, tu das schrittweise über etwa 7–10 Tage. Wie ein solcher Wechsel gelingt, liest du im Beitrag zur Futterumstellung. Frisches Wasser sollte natürlich jederzeit bereitstehen.
Eine Futterberatung kann dir helfen, ein passendes Futter auszuwählen und eine Menge zu finden, die zum Wachstum passt. Sie ersetzt aber nicht die Untersuchungen, Impfungen und Entwurmungen in der Tierarztpraxis, die gerade im ersten Lebensjahr wichtig sind.
Kurz gesagt
Welpen und Kitten brauchen ein vollständiges Futter, das ausdrücklich für das Wachstum geeignet ist. Große Hunderassen sollten schlank und kontrolliert langsam wachsen, und Zusätze wie Calcium haben bei einem vollständigen Futter nichts verloren. Regelmäßiges Wiegen, behutsame Umstellungen und ein enger Kontakt zur Tierarztpraxis geben deinem jungen Tier einen guten Start.
Häufige Fragen
Ab wann bekommt mein Hund oder meine Katze Erwachsenenfutter?
Das hängt von der Tierart und bei Hunden stark von der späteren Größe ab. Kleine Hunde sind früher ausgewachsen, große Rassen wachsen deutlich länger. Den passenden Zeitpunkt besprichst du am besten mit deiner Tierarztpraxis oder in der Futterberatung.
Muss ich meinem Welpen Calcium für die Knochen geben?
Nein, bei einem vollständigen Wachstumsfutter nicht. Zusätzliches Calcium kann sogar schaden, weil ein Überschuss das Skelettwachstum stören kann – gerade bei großen Rassen. Ergänzungen sollten nur nach tierärztlicher Rücksprache gegeben werden.
Darf ich meinem Kitten Hundefutter geben?
Nein. Katzen haben einen anderen Nährstoffbedarf als Hunde und brauchen zum Beispiel ausreichend Taurin über das Futter. Hundefutter ist darauf nicht ausgelegt und für Katzen dauerhaft nicht geeignet.
Mein Welpe ist ständig hungrig. Bekommt er zu wenig?
Viele Welpen sind einfach verfressen und zeigen das auch. Ob die Menge passt, erkennst du besser an einer gleichmäßigen Gewichtszunahme und daran, dass die Rippen fühlbar bleiben. Wenn du unsicher bist, lass das Wachstum in der Praxis beurteilen.
Ist Futter für alle Lebensphasen auch für Welpen geeignet?
Wenn es als Alleinfuttermittel ausdrücklich für alle Lebensphasen deklariert ist, ist es auch für das Wachstum ausgelegt. Bei Welpen großer Rassen lohnt sich trotzdem ein genauer Blick, ob die Angaben auch für sie gelten, oder ein Gespräch mit der Praxis.
Geschrieben von Steffi
Mobile Haustierbetreuerin und Ernährungsberaterin, davor 21 Jahre Tiermedizinische Fachangestellte. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Mehr über mich