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Hund & Katze · Gesundheit

Zahnstein bei Hund und Katze

Mehr als ein Schönheitsproblem

Von SteffiMobile Haustierbetreuerin & Ernährungsberaterin4 Minuten Lesezeit
Nahaufnahme einer Hundeschnauze mit sichtbaren Zähnen.

Gelbliche oder braune Zahnbeläge, unangenehmer Maulgeruch oder gerötetes Zahnfleisch solltest du ernst nehmen. Zahnprobleme können schmerzhaft sein – auch wenn dein Hund oder deine Katze weiterhin frisst.

Der sichtbare Zahnstein ist häufig nur ein Teil des Problems. Entscheidend ist auch, wie es am Zahnfleischrand und darunter aussieht.

Wie entsteht Zahnstein?

Auf den Zähnen bildet sich zunächst ein weicher bakterieller Belag, die sogenannte Plaque. Wird dieser nicht regelmäßig entfernt, können sich Mineralien aus dem Speichel einlagern. Der Belag verhärtet sich zu Zahnstein.

Seine raue Oberfläche bietet weiteren Belägen Halt. Die darin lebenden Bakterien können das Zahnfleisch reizen und Entzündungen auslösen.

Regelmäßiges Zähneputzen entfernt weiche Beläge. Bereits fest sitzender Zahnstein lässt sich damit nicht zuverlässig beseitigen.

Warum ist Zahnstein problematisch?

Eine Zahnfleischentzündung – auch Gingivitis genannt – zeigt sich beispielsweise durch Rötungen, Schwellungen oder Blutungen.

Werden zusätzlich die Strukturen geschädigt, die den Zahn im Kiefer verankern, spricht man von Parodontitis. Dabei können Zahnfleischtaschen entstehen und Kieferknochen abgebaut werden. Zähne können sich lockern und schließlich verloren gehen.

Eine Zahnfleischentzündung kann sich bei rechtzeitiger Behandlung zurückbilden. Bereits entstandene Schäden am Zahnhalteapparat werden durch eine Reinigung allein jedoch nicht rückgängig gemacht.

Bei Katzen wichtig: Nicht alles ist Zahnstein

Katzen können unter Zahnresorptionen leiden, häufig als FORL bezeichnet. Dabei wird Zahnsubstanz durch körpereigene Zellen abgebaut. Diese Erkrankung kann sehr schmerzhaft sein und auch Zähne betreffen, die von außen zunächst unauffällig aussehen.

Zahnresorption ist eine eigenständige Erkrankung und darf nicht mit Zahnstein verwechselt werden. Zahnröntgenaufnahmen sind wichtig, um Veränderungen an den Wurzeln und das Ausmaß der Schäden zu erkennen und die Behandlung zu planen.

Wenig sichtbarer Zahnstein bedeutet deshalb nicht automatisch ein gesundes, schmerzfreies Gebiss.

Wie wird Zahnstein richtig behandelt?

Bei einer tierärztlichen Zahnbehandlung geht es um mehr als saubere Zahnoberflächen. Das gesamte Gebiss und der Zahnhalteapparat müssen untersucht werden.

Eine gründliche Zahnbehandlung erfolgt unter Vollnarkose. Sie ermöglicht eine sorgfältige Untersuchung, die Reinigung auch unterhalb des Zahnfleischrandes und notwendige Zahnröntgenaufnahmen. Nach der Entfernung der Beläge werden die Zahnoberflächen poliert. Erkrankte Zähne müssen je nach Befund behandelt oder entfernt werden.

Das bloße Entfernen sichtbarer Beläge am wachen Tier ersetzt diese Behandlung nicht. Die Zähne können danach sauberer aussehen, während schmerzhafte Veränderungen unter dem Zahnfleisch bestehen bleiben.

Die Narkose wird anhand des Gesundheitszustands individuell geplant und überwacht. Auch bei älteren Tieren sollten Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden.

Was kannst du zur Vorbeugung tun?

Möglichst täglich Zähne putzen

Die wirksamste Maßnahme zu Hause ist das regelmäßige, möglichst tägliche Zähneputzen. Damit entfernst du weiche Beläge, bevor sie verhärten.

Gewöhne deinen Hund oder deine Katze langsam und mit positiver Bestärkung daran. Verwende eine weiche Bürste und eine für die Tierart geeignete Zahnpasta. Menschliche Zahnpasta gehört nicht ins Tiermaul.

Ist das Zahnfleisch bereits stark entzündet oder das Maul schmerzhaft, lass es zunächst untersuchen, bevor du mit dem Putzen beginnst.

Kauartikel und Zahnpflegeprodukte gezielt auswählen

Geeignete Kauartikel und auf ihre Wirksamkeit geprüfte Zahnpflegeprodukte können die tägliche Pflege ergänzen. Sie ersetzen jedoch weder das Zähneputzen noch eine notwendige Zahnbehandlung.

Sehr harte Gegenstände wie Geweihe, harte Knochen oder Steine können Zähne abbrechen lassen. Härter bedeutet nicht automatisch bessere Zahnreinigung.

Das Gebiss regelmäßig kontrollieren lassen

Lass Zähne und Zahnfleisch regelmäßig tierärztlich untersuchen. Wie häufig Kontrollen und professionelle Behandlungen nötig sind, hängt vom individuellen Befund ab.

Reinigt Trockenfutter die Zähne?

Wir würden unsere Zähne auch nicht mit Keksen putzen. Eine knusprige Konsistenz allein sagt nichts darüber aus, wie gut ein Futter die Zähne reinigt.

Das Knacken gewöhnlicher Trockenfutterkroketten ersetzt keine Zahnpflege. Auch dabei können Futterreste im Maul zurückbleiben und sich bakterielle Beläge auf den Zähnen bilden. Werden diese nicht regelmäßig entfernt, können sie zu Zahnstein verhärten.

Spezielle Ergänzungsfuttermittel können die Belagsbildung durch ihre Zusammensetzung reduzieren und wenig vorhandenen Zahnstein lösen.

Ob Nass- oder Trockenfutter: Regelmäßige Zahnpflege und Kontrollen bleiben wichtig.

Bitte nicht selbst abkratzen

Mit Metallinstrumenten oder Zahnsteinentfernern selbst am Zahn zu arbeiten, kann Zahnfleisch und Zahnoberflächen verletzen. Erkrankungen unterhalb des Zahnfleischrandes werden dadurch weder erkannt noch ausreichend behandelt.

Steffi mit ihrem Hund

Geschrieben von Steffi
Mobile Haustierbetreuerin und Ernährungsberaterin, davor 21 Jahre Tiermedizinische Fachangestellte. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Mehr über mich

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