
Müdigkeit, wechselnde Lahmheiten, Appetitverlust, wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden oder auffällige Blutwerte können viele Ursachen haben. Dazu gehören auch Infektionserreger, die Blutkörperchen, Gelenke, Muskeln, Augen, das Nervensystem oder innere Organe betreffen können.
Manche Beschwerden treten plötzlich auf, andere entwickeln sich schleichend oder kehren immer wieder zurück. Dazwischen kann ein Hund zeitweise unauffällig wirken. Ein gutes Immunsystem kann die Erreger über Monate, sogar Jahre in Schach halten, bis der Hund älter wird und das Immunsystem nicht mehr so stark ist – so wie bei meiner Sunny damals.
Hier stelle ich die Erkrankungen vor, mit denen ich mich durch meine eigenen Hunde, Fortbildungen und den intensiven Austausch mit anderen Hundehaltern besonders beschäftigt habe. Ergänzend gehören Toxoplasmose und Neosporose dazu. Sie zählen nicht zu den klassischen Vektorerkrankungen, können aber teilweise ähnliche Beschwerden verursachen.
Wie kann ich überprüfen, ob mein Hund betroffen ist?
Lass einen Antikörpertest auf alle genannten Erkrankungen machen. Frag nach, welche Erreger tatsächlich untersucht wurden.
Ist ein Test positiv – auch mit einem niedrigen Titer – und passt das zu den Beschwerden deines Hundes, dann lass das nicht einfach stehen. Bitte deine Tierarztpraxis, den Befund einzuordnen, und besteh auf einer gezielten Behandlung, wenn Befund und Beschwerden zusammenpassen. Hol dir eine zweite tierärztliche Meinung, wenn du dich mit deinen Beobachtungen nicht ernst genommen fühlst.
Um welche Erkrankungen geht es?
- Anaplasmose
- Ehrlichiose
- Babesiose
- Borreliose
- Rickettsiosen
- Hepatozoonose
- Leishmaniose
- ergänzend: Toxoplasmose und Neosporose
Die Erreger und ihre Übertragungswege unterscheiden sich. Viele werden durch Zecken übertragen, Leishmanien hauptsächlich durch Sandmücken. Bei Hepatozoon canis erfolgt die Infektion überwiegend durch das Verschlucken einer infizierten Zecke. Toxoplasmen und Neospora können unter anderem über infiziertes Gewebe aufgenommen werden (auch beim Barfen). Bei Neospora ist außerdem eine Übertragung von der Mutter auf ihre Welpen möglich.
Warum ich die Symptome gemeinsam aufführe
Viele Beschwerden überschneiden sich. An den Symptomen allein lässt sich deshalb häufig nicht erkennen, welcher Erreger genau beteiligt ist.
Außerdem können mehrere Infektionen das Krankheitsbild zusätzlich verändern und die Zuordnung erschweren.
Deshalb findest du hier eine gemeinsame Übersicht. Sie bedeutet nicht, dass jedes Symptom bei jeder Erkrankung gleichermaßen typisch ist. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Beschwerden, Untersuchungen und Krankheitsverlauf.
Mögliche Beschwerden und auffällige Befunde
Die genannten Veränderungen müssen nicht alle auftreten. Manche Hunde zeigen nur wenige, unscheinbare Anzeichen, andere mehrere.
Allgemeinbefinden und Verhalten
- Müdigkeit, Mattigkeit und vermehrtes Schlafen
- verminderte Belastbarkeit und schnelle Erschöpfung
- weniger Lebensfreude, Rückzug oder verändertes Verhalten
- Fieber, auch wiederkehrend
- verminderter Appetit oder Fressunlust
- Gewichtsverlust
- Demenzerscheinungen
- ausgeprägte Schwäche bis hin zum Kollaps
Gelenke, Muskeln und Bewegung
- wechselnde oder wiederkehrende Lahmheiten
- Steifheit und Bewegungsunlust
- schmerzhafte oder geschwollene Gelenke
- Muskelschmerzen und Muskelentzündungen
- Muskelschwund
- Schwäche der Hinterbeine
- unsicherer Gang und Koordinationsstörungen
- Lähmungserscheinungen
- Krampfanfälle
- auffällig steife oder überstreckte Hinterbeine
Augen, Haut und Schleimhäute
- wiederkehrende Augenentzündungen
- Augenausfluss und Veränderungen am Auge
- blasse oder gelbliche Schleimhäute
- punktförmige Einblutungen in Haut oder Schleimhäute
- Nasenbluten oder andere ungewöhnliche Blutungen
- schuppige Haut und Haarausfall
- schlecht heilende oder geschwürige Hautstellen
- veränderte Pfotenballen
- auffälliges Krallenwachstum
Auch wiederkehrender eitriger Augenausfluss, Hautprobleme oder Juckreiz gehören bei der Abklärung angesprochen. Sie sind jedoch unspezifisch und können ebenso andere Ursachen haben.
Magen-Darm-Trakt und innere Organe
- wiederkehrendes Erbrechen oder Durchfall
- vergrößerte Lymphknoten
- vergrößerte Milz
- erhöhte Leber- oder Nierenwerte
- Eiweißverlust über den Urin
- rötlicher bis dunkelbrauner Urin
- Magenschleimhautentzündung
- Sodbrennen, Licky Fits
- Pankreatitis
- ständige Blasenentzündungen, Inkontinenz
Nervensystem und Atmung
- Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen
- neurologische Auffälligkeiten
- Krampfanfälle
- Schluckstörungen
- Atembeschwerden bei Beteiligung der Lunge
- Rückwärtsniesen
- Husten
Veränderungen in Blutuntersuchungen
- Blutarmut, auch Anämie genannt (wenige rote Blutkörperchen)
- verminderte Blutplättchen
- Veränderungen der weißen Blutkörperchen
- auffällige Eiweißwerte
- Gerinnungsstörungen
- Hinweise auf Entzündungen oder Organschäden
Diese Übersicht ist keine Diagnose. Sie soll helfen, Veränderungen wahrzunehmen und bei wiederkehrenden oder ungeklärten Beschwerden mögliche Zusammenhänge gezielt untersuchen zu lassen.
Beschwerden und Befunde gehören zusammen
Ein einzelner Laborwert erzählt nicht die ganze Krankengeschichte.
Auch ein niedriger Antikörpertiter sollte bei einem Hund mit passenden Beschwerden sorgfältig eingeordnet und nicht als negativ eingestuft werden. Seine Bedeutung hängt unter anderem vom Erreger, vom verwendeten Test und vom Zeitpunkt der Untersuchung ab. Antikörper allein beweisen keine aktuell verursachte Erkrankung, zeigen aber den Erregerkontakt und dass sich das Immunsystem dauerhaft damit auseinandersetzt. Umgekehrt schließt ein negativer Antikörpertest eine frühe Infektion nicht immer aus.
Entscheidend ist, wie Beschwerden, Untersuchungsergebnisse und Verlauf zusammenpassen.
Mehrere Infektionen können gleichzeitig vorkommen. Deshalb kann es sinnvoll sein, bei einem auffälligen Befund auch mögliche Begleitinfektionen gezielt zu untersuchen. Mischinfektionen sind nicht selten. Gerade Hunde mit Leishmaniose sollten auf die anderen Erkrankungen getestet werden – ganz wichtig!
Ein normales Blutbild allein untersucht nicht auf diese Erreger. Auch ein sogenanntes Reise- oder Zeckenprofil enthält nicht automatisch alle hier genannten Untersuchungen. Es lohnt sich, genau nachzufragen, welche Erreger tatsächlich erfasst wurden.
Bei Hepatozoonose können beispielsweise eine gezielte PCR und ein Blutausstrich zum Nachweis sogenannter Gamonten eingesetzt werden. Ein unauffälliger Blutausstrich schließt die Infektion nicht sicher aus.
Für die Abklärung helfen:
- eine zeitliche Übersicht über Beschwerden und Veränderungen
- frühere und aktuelle Blutbefunde
- je nach Beschwerden Organwerte und Urinuntersuchungen
- eine Übersicht bisheriger Untersuchungen und Behandlungen
- Angaben zu Reisen, Herkunft und möglichen Zeckenkontakten
- Videos von auffälligen Bewegungen oder Verhaltensweisen
Warum mir diese Aufklärung besonders am Herzen liegt
Durch meine Hündin Sunny habe ich mich intensiv mit diesen Erkrankungen beschäftigt. Ich weiß, wie belastend es ist, wenn Beschwerden wiederkehren, Antworten fehlen und man um weitere Untersuchungen und eine passende Behandlung kämpfen muss.
Bei Sunny habe ich erlebt, wie wichtig es war, hartnäckig zu bleiben und Zusammenhänge weiterzuverfolgen. Ihre Geschichte hat mich geprägt. Deshalb möchte ich meine Erfahrungen und mein Wissen weitergeben, damit andere Hundehalter frühzeitig aufmerksam werden und ihren Hunden schneller geholfen werden kann.
Kein Hund soll das durchmachen müssen, was Sunny und viele andere Hunde erlebt haben.
Dazu kommen die vielen Krankheitsverläufe anderer Hunde, die ich im Austausch mit ihren Menschen mitverfolge. Hinter jedem Befund steht ein Tier – und ein Mensch, der merkt: „Mein Hund ist nicht mehr so wie sonst.“
Ein Hund wird nicht von heute auf morgen einfach nur alt
Plötzliche Schwäche, neue Lahmheiten, weniger Lebensfreude oder ein deutlich verändertes Verhalten sollten nicht vorschnell auf das Alter geschoben werden. Auch ältere Hunde verdienen eine sorgfältige Suche nach behandelbaren Ursachen.
Du kennst deinen Hund im Alltag. Wenn sich etwas verändert, darfst du nachfragen, Befunde erklären lassen und bei anhaltenden Beschwerden eine weitere tierärztliche Einschätzung einholen. Deine Beobachtungen gehören dazu.
Mit dieser Seite möchte ich aufklären, Erfahrungen teilen und Mut machen, dranzubleiben.
Austausch mit anderen betroffenen Hundehaltern
Eine besonders wichtige Unterstützung war für mich eine Facebook-Gruppe, in der Hunderte Hundehalter ihre Erfahrungen, Befunde und Krankheitsverläufe teilen.
Ohne diese Gruppe hätte Sunny die richtige Behandlung gegen ihre Vektorerkrankungen nicht bekommen. Der Austausch hat mir geholfen, Zusammenhänge zu erkennen, gezielt nachzufragen und für sie weiterzukämpfen.
Diesen Zugang möchte ich auch anderen betroffenen Hundehaltern ermöglichen. Die Erfahrungen anderer können Orientierung und Rückhalt geben!
Hier geht es zur Facebook-Gruppe
Geschrieben von Steffi
Mobile Haustierbetreuerin und Ernährungsberaterin, davor 21 Jahre Tiermedizinische Fachangestellte. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Mehr über mich